Aus dem Leitblick Blog:
Erek Gaudian 9. Mai 2014

„Mind-Mapping“ – oder die Bändigung der Brainstormer?

Immer dann, wenn eine größere Anzahl kreativer, kluger Köpfe zusammentrifft, man strukturiert an Ideen arbeiten und die versammelte Geisteskraft bündeln möchte, dann stellt sich die Frage nach der methodisch angemessenen Vorgehensweise.

Im Rahmen der Kreativ- und Zukunftswerkstatt im Tourismus „DestinationCamp“ vom 25.-27. April 2014 in Hamburg wurde eine große Zahl von Verantwortlichen aus den touristischen Destinationen mobilisiert und motiviert, sich konstruktiv zu engagieren. Die facettenreichen, mit bis zu 30 Experten besetzten Workshops wurden jeweils begleitet durch einen Moderator und einen sog. „Mind-Mapper“, der die Statements der Workshop-Teilnehmer systematisch als Schlüsselwörter aufnahm und im weiteren Tagungsverlauf sukzessive zu Mind-Maps zusammenführte. Da mich die gestalterische Arbeit der „Mind-Mapper“ des DestinationCamps 2014 nachhaltig beeindruckt hat und Leitblick dieses Tool aus seinem gut sortierten „Werkzeug-Kasten“ schon mehrfach in der Praxis einsetzt hat, erscheint mir eine intensivere Beleuchtung dieser Methode lohnenswert.

Was ist eigentlich „Mind-Mapping“?

Grundsätzlich wird Mind-Mapping in der Literatur als eine hocheffektive Methode für die systematische Darstellung eines Brainstormings beschrieben. Die Ideen werden dabei im wahrsten Sinn des Wortes auf einer Karte (=map) verzeichnet. Dadurch entsteht eine bildhafte Darstellung der Gedanken (=mind), also so etwas wie eine Gedanken-Karte.

Alle Mind-Maps haben gemeinsam, dass sich die Struktur von einem Zentrum aus nach außen fortpflanzt und weiter verzweigt. Dabei kommen Linien, Symbole, Worte, Farben und Bilder zum Einsatz, die das Konzept erst wirklich für den Menschen visuell erfassbar machen. Die Mind-Map wird etwas philosophisch bezeichnet als „ein äußerer Spiegel der menschlichen Denkstrukturen und –fähigkeiten“. Gemeint ist wohl, dass dabei wird das eigentliche Verstehen durch einen grafischen Prozess erleichtert werden soll.

Im Gegensatz zum Brainstorming, bei dem eine Reihe von unsortierten Begriffen produziert und anschließend mit Hilfe der Pinnwand-Moderation sortiert werden, kann eine Mind-Map sehr viele Informationen in eine farbige und dadurch visuell gut erfassbare Darstellung verwandeln, die vom Aufbau her dem entspricht, was unser Gehirn optimal erfassen kann. Bildlich beschrieben bestehen Mind-Maps aus beschrifteten Baumdiagramm. Zusätzliche Anmerkungen erläutern Inhalte und Prozesse. Die Zusammenhänge werden durch gegenseitige Verknüpfungen dargestellt.

Eine Mind-Map zu zeichnen, braucht deutlich weniger Zeit, als auf herkömmliche Art einen Sachverhalt mit zu notieren. Anstelle ganzer Sätze werden nur die wirklich wichtigen Schlüsselwörter aufgeschrieben. Durch geschickte Wahl der Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt des Mind-Maps dennoch nach Monaten problemlos rekonstruieren. Auf Füllwörter, die für die Erinnerung unwichtig sind, wird konsequent verzichtet. Mind-Maps lassen sich durch die logische und hierarchische Baumstruktur einfacher erweitern als herkömmliche Notizen.

Die Theorie hinter den Mind-Maps

Schon seit Jahrhunderten verwenden Menschen die Technik einer kreisförmigen Anordnung von Elementen rund um ein Bild. Der britische Psychologe Tony Buzan hat sich dieser Technik bedient. Er argumentiert, dass ein Leser in der Regel Informationen immer von links nach rechts und von oben nach unten aufnimmt, während das Gehirn am besten und natürlichsten mit Informationen umgehen kann, die eben gerade nicht linear angeordnet sind. Von der menschlichen Fähigkeit zu lernen und Informationen zu verarbeiten leitet sich das Konzept des strahlenförmigen Denkens (=Radiant Thinking) ab, das sich in der Mind Map manifestiert. Das Radiant Thinking-Muster unseres Gehirns kann man sich also wie Maschine zum Verknüpfen von Gedankenlinien vorstellen, die von einer bestimmten Anzahl von Datenknoten ausgehen. Das strahlenförmige Denken ist also eine klarere, natürlichere und effektivere Art, unser Gehirn zu benutzen.

Graphik Mind Map_Bild 1

Hier ein paar Praxis-Tipps zum Mind-Mapping:

1. Schritt: Zentrales Thema aufschreiben

Im Mittelpunkt des Bildes wird das zentrale Thema / die Grundidee möglichst passgenau formuliert und als erster Impuls durch den Moderator erläutert.

2. Schritt: Schlüsselwörter sammeln

Ausgehend vom zentralen Thema / der Grundidee werden (beliebig viele) Ideenzweigen entwickelt (entsprechend der Kapitelüberschriften eines Buches) und mit Schlüsselwörtern versehen. Die Anordnung um das zentrale Thema / die Grundidee erfolgt kreisförmig. Verschiedene Farben für Äste können übersichtlich Zusammenhänge und Querverbindungen darstellen. Gleiche Farben werden beispielsweise für gleiche Ebenen (Äste der ersten oder zweiten Stufe) verwendet.

3. Schritt: Oberbegriffe den Schlüsselwörtern zuordnen

Jedem einzelnen Ideenzweig werden so viele Oberbegriffe zugeordnet, wie dem Teilnehmerkreis einfallen. Themen von nachgeordneter Bedeutung werden als Unterideen dem jeweiligen Ideenzweig zugewiesen. So entsteht eine erste Mind-Map.

4. Schritt: Weitere Schlüsselwörter finden und neue Oberbegriffe einsortieren

Um Ordnung in die Gedanken zu bringen, wird nach weiteren neuen Schlüsselwörtern für die einzelnen Zweige gesucht und neue Oberbegriffe werden zugeordnet bzw. alte dahin versetzt.

5. Schritt: Mind-Maps verfeinern

Zum Schluss feilt man noch ein wenig an der Mind-Map, damit der Betrachter sie auch nach einiger Zeit noch verstehen kann. Jeder Ast und jede weitere Verästelung wird vom Mittelpunkt aus gelesen.

 

Ein weißes Blatt Papier steht am Anfang einer jeden Mind-Map. Aber viele Anwender möchten ihre Mind-Maps lieber digital erstellen. Dafür gibt es eine nahezu unüberschaubare Vielzahl von Tools und Programmen für Erstellung der Mindmaps. Der Vorteil dieser Software-Lösungen liegt darin, dass man sich besser auf den Denkprozess konzentrieren kann und sich die Design-Geschwindigkeit um ein vielfaches erhöht. Die „Mind-Mapper“ des DestinationCamps 2014 haben beispielsweise software-basiert gearbeitet und aus meiner Sicht hervorragende Ergebnisse erzielt.

Anwendungsbereiche in der Beratung bei Leitblick

Mind-Maps können in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden. Man kann sie für Präsentationen, Referate und Vorträge sowie Plakate verwenden. In Bezug auf die Vielfalt der Themen gibt es im Grunde genommen keine Grenzen. Für Ideensammlungen und Brainstorming sind Mind-Maps deswegen gut zu gebrauchen. Leitblick setzt dieses Tool beispielsweise ein bei:

– Bündelung der Kreativität in Zukunfts-Werkstätten

– Chancen/Risiken bei SWOT-Analysen

– Entscheidungsfindung, Problemlösung in der Gruppenarbeit.

– Geleitetes Projektmanagement im Team.

– Aus- und Weiterbildung in der Gruppe.

Von dieser Stelle aus noch einmal viele Grüße an alle erfolgreichen Mind-Mapper des DestinationCamps 2014!

 

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