Aus dem Leitblick Blog:
Erek Gaudian 19. Juni 2013
Kategorien: GesundheitstourismusTrends

Betriebliches Gesundheitsmanagement als neue Unternehmenskultur?

Unser schnelllebiges, von Hektik geprägtes Leben stellt immer neue Herausforderungen an die persönliche Stabilität und die soziale sowie emotionale Kompetenz von Führungskräften und Mitarbeitern. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, der späteren Verrentung und stetig wachsenden physischen und psychischen Anforderungen im Berufsleben könnte das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ein Mosaikstein zum Erfolg sein, wenn beizeiten in die langfristige Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter investiert wird.

Betriebliche Gesundheitsförderung

Zu einem beachtenswerten unternehmerischen Aktionsfeld hat sich die betriebliche Gesundheitsförderung mittlerweile entwickelt. Seine eigene Gesundheit zu erhalten, zu fördern und zu stärken, ist die eigenverantwortliche Aufgabe jedes Einzelnen bzw. der in diesem Kontext hierzu staatlich beauftragten Institutionen. Immer mehr umsichtige Arbeitgeber sehen in der Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter eine Grundvoraussetzung für den Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit. Leistungsfähigkeit und –bereitschaft der Mitarbeiter zu fördern ist ein Ausdruck für kluges unternehmerisches Handeln. Hierdurch wird ganz zielgerichtet ein positiver Einfluss auf die Unternehmenskultur genommen. Als „guter Arbeitgeber“ im wohlverstandenen Sinne von unternehmerischer Gesellschaftsverantwortung zu gelten, verbessert letztlich auch das Unternehmensimage. „Corporate Social Responsibility“ umschreibt einen über die gesetzlichen Regelungen hinaus gehenden freiwilligen Beitrag in der Verantwortung für die Mitarbeiter. Dieser positive Nebeneffekt ist aufgrund der demografischen Entwicklung und dem damit verbundenen zukünftigen Konkurrenzkampf um qualifizierte Arbeitskräfte nicht zu unterschätzen.

In unterschiedlichen Studien zur betrieblichen Gesundheitsförderung und -prävention wird ausgeführt, dass ein erfolgreich eingeführtes BGM bezogen auf die Krankheitskosten zu einem Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:2 bis zu 1:6 führen kann. Im Klartext: Für jeden in die Förderung der Gesundheit investierten Euro lassen sich nach Experten-Meinungen rd. 2-6 € an anderer Stelle indirekt einsparen.

Mitarbeitergesundheit lohnsteuerfrei unterstützen

Hinzu kommt, dass dieses unternehmerische Engagement seit dem 01. Januar 2009 vom Staat gefördert wird, der Förderung der Mitarbeitergesundheit steuerlich unterstützt. Immerhin 500 Euro kann ein Unternehmen pro Mitarbeiter und pro Jahr seitdem lohnsteuerfrei für Maßnahmen der Gesundheitsförderung investieren. Auf dem Deutschen Bädertag 2011 forderte der Deutsche Heilbäderverband e.V. in seiner „Bad Krozinger Erklärung“ sogar ein, betriebliche Präventionsprogramme zu entwickeln und entsprechend besser zu fördern. Sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer sollten einen steuerlichen Präventionsbonus von je 1.000 € erhalten. Die Pflöcke sind also eingeschlagen!

Als positives Beispiel hervorheben kann man die Niedersächsische Staatsbad Pyrmont Betriebsgesellschaft mbH, die mit den mittelständischen Unternehmen aus der Region Vereinbarungen über ein qualifiziertes BGM getroffen hat:
Ernährungsberatung, Entspannungsangebote, Nichtraucherkurse, Atemwegstraining, Sauna, Wassergymnastik, Massage und Individualmaßnahmen sind Bestandteile dieser Übereinkunft. Die Kosten teilen sich bei nachgewiesener regelmäßiger Teilnahme der Arbeitgeber und der Teilnehmer.

Eine derartige Kooperation erzeugt sowohl für den Kurort als Anbieter von Gesundheitsleistungen als auch die in der Region ansässigen Betriebe als Kunden eine “Win- Win-Situation“, weil ….

  • die individuelle Motivation und das gesundheitsbewussten Verhaltens der Mitarbeiter gefördert wird,
  • die Reflexion der Arbeits-und Lebenssituation neue Impulse für eine gesundheitsunterstützende Lebens- und Arbeitsweise vermittelt,
  • die Leistungsfähigkeit der Führungskräfte und Mitarbeiter erhalten bleibt und Produktivität sowie Qualität gesteigert werden,
  • die Stärkung der gesundheitsrelevanten Ressourcen mittelfristig zu einer Verringerung der Fehlzeiten führt,
  • die Zufriedenheit sowie das Betriebsklima gefördert und die Mitarbeiter-Fluktuation gesenkt wird,
  • das Unternehmensimage sich hinsichtlich der Wertschätzung, Bindung an das Unternehmen und Teambildung verbessert,
  • sich die Kurorte und Heilbäder neue Zielgruppen in größerem Umfang erschließen können!

Aus unseren Erfahrungen aus unterschiedlichen Studien können wir attestieren, dass gerade in den Kurorten und Heilbädern einzelne Bestandteile der betrieblichen Gesundheitsförderung traditionell bereits verfügbar sind. Diese Grundlagen und Kompetenzen für ein qualitativ hochwertiges BGM sind gut bis teilweise exzellent vorhanden. Dessen ungeachtet sind nur einige wenige Kurorte und Heilbäder im BGM marktaktiv und arbeiten konsequent an ihrer Profilbildung. Beispiele für die einzelnen Bestandteile des BGM können sein:

  • Rückenschule,
  • Herz-Kreislauf-Training,
  • Erlernen von Entspannungstechniken,
  • Gesundheitsbewusste Ernährung,
  • Gesundheitliche Wissensvermittlung mit Tipps für den Alltag, Medical Fitness,
  • Massagen,
  • Sauna,
  • Achtsamkeits-Kurse oder
  • Burn-Out-Prävention.

Es stellt sich also die Frage, warum bei dieser guten Ausgangssituation bisher nur einige wenige Kurorte und Heilbäder ein funktionierendes und vor allem für Unternehmen buchbares, attraktives BGM entwickeln konnten. Die Begründungen, es derzeit nicht zu können, sind sicher vielfältig. Einige der erkannten Ursachen sollen an dieser Stelle kurz genannt werden:

  1. Die lokalen Strukturen für Medizin- und Gesundheitsleistungen im BGM sind nicht oder nicht vollständig vorhanden bzw. für den potentiellen Kunden nicht transparent kommuniziert.
  2. Die regionalen Akteure für Medizin- und Gesundheitsleistungen sind nicht oder nur unzureichend miteinander vernetzt.
  3. Die bestehenden Angebote im BGM sind nicht in Deckung zu bringen mit den Primärbedürfnissen der bereits sensibilisierten Unternehmen.
  4. Insbesondere die Kurorte und Heilbäder müssen sich zukünftig dahingehend umstellen, dass der Kunde nicht mehr ausschließlich im Kurort selbst in den Genuss der Gesundheitsleistungen kommt, sondern die Angebote zumindest teilweise in den Betrieben vor Ort in die unternehmensinternen Abläufe integriert werden müssen.
  5. Gelegentlich wird im BGM der zweite Schritt vor dem ersten gemacht: Die fixe Idee, sich zunächst einmal das Schlagwort „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ auf die Fahnen zu schreiben bevor die regionalen Akteure zueinander gefunden haben und die inhaltliche Arbeitsteilung abgeklärt ist – dieser Prozess erfordert erfahrungsgemäß einen langen Atem – behindert die zukünftige strategische Entwicklung und setzt alle Beteiligten letztlich unter immensen Handlungsdruck.
  6. Es gelingt den Akteuren vor Ort nicht, die einzelnen Elemente der betrieblichen Gesundheitsförderung zu einem ganzheitlichen Ansatz „untere einem Dach“ zu vereinen.

Deshalb ist es ratsam, an den Beginn einer strategischen Entwicklung des BGM immer eine Bestandsaufnahme der regionalen Akteure und der potentiellen Kunden zu stellen. Das Aufgreifen bereits bestehender Einzelmaßnahmen, das Strukturieren, das miteinander vernetzen und das Kommunizieren sind wesentliche Mosaiksteine, von denen in der Summe neue Impulse für die Kurorte und Heilbäder ausgehen können. Erst nach dieser grundlegenden Analyse- und Strategie-Phase kann ein BGM mit Unterstützung eines professionellen Projektmanagements aus der Taufe gehoben werden, in mehreren Schritten kommuniziert und schlussendlich als zukünftiges Kompetenzfeld wahrnehmbar und imageprägend für den Ort und die Region aufgebaut werden.

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