Aus dem Leitblick Blog:
Erek Gaudian 4. Dezember 2012
Kategorien: MarketingTrends

Nachhaltig wirtschaften und werben!

Betrachten wir unsere Welt aus der Vogelperspektive, so sehen wir, dass wir gerade das goldene Zeitalter der Menschheit erleben. Technischer Fortschritt hat zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen geführt, die den Menschen vergangener Epochen wie reine Magie vorkommen müssen: Autos für alle, Computer, Mobiltelefone und Farbfernseher, Medikamente und medizinische Geräte gegen viele Krankheiten, Ertragsteigerungen in der Landwirtschaft durch den Einsatz effizienter Maschinen in Kombination mit Pestiziden. Der Hunger, den wir dabei in der Welt sehen, ist in erster Linie auf Verteilungs- und nicht auf Produktionsprobleme zurückzuführen.

Dinge des täglichen Bedarfs sind reichlich vorhanden, vieles wird immer billiger, verbesserte Produktionstechniken machen die Luft sauberer und die Gewässer reiner.

Alles prima möchte man meinen.

Doch fliegen wir ein bisschen höher als die Vögel es können und werfen mal einen Blick über die Grenzen hinaus. Davon ausgehend, dass Bürger von Industrienationen die Umwelt und die Rohstoffvorräte der Erde ca. 20 mal mehr belasten als Bewohner von Entwicklungsländern, es aber ca. 6 mal mehr Menschen in den Entwicklungsländern gibt, führt dies automatisch zu der Frage, was aus dem goldenen Zeitalter der Menschheit werden wird, wenn Milliarden Chinesen und Inder mit dem Auto unterwegs sind oder am Wochenende im Reihenhäuschen ihren Gasgrill anwerfen und ihr kühles Bierchen dazu schlürfen. Was wird dann aus unserer Welt?

Unser ständiges wirtschaftliches Wachstum ist, vereinfacht ausgedrückt, deswegen möglich, weil wir den Entwicklungsländern ihre Rohstoffe billig entreißen und ihnen stattdessen unseren Müll wieder zurückschicken. „Wachstum“ heißt die Zauberformel, mit der Politiker Versprechen abgeben und Wahlen gewinnen – das gilt sowohl für Industrie- als inzwischen auch für Entwicklungsländer. Hatte vor 20 Jahren eine Familie im Industrieland im Schnitt ein Auto, so sind es heute derer drei. Wurde früher die Fußball WM gemeinsam bei Familie Müller in der Siedlung gekuckt, weil diese als einzige einen Fernseher hatte, so hat heute jeder in jedem Zimmer einen Apparat stehen und kann sich dabei gleichzeitig noch live über Spielzüge via Handy unterhalten. Dabei lässt sich mathematisch einfach nachvollziehen, dass Wachstum nicht die Lösung für steigenden Wohlstand sein kann. Geht man einmal davon aus, dass die Weltwirtschaft jährlich linear um 5% wächst, dann bedeutet das eine Verdoppelung in nur 16 Jahren. Und das bedeutet doppelt so hoher Rohstoffverbrauch, doppelt so hohe Umweltbelastung, doppelt so viele Narben, die der Mensch in der Welt hinterlässt und sich dabei seine eigene Existenzgrundlage bei schnell steigender Weltbevölkerung dramatisch schnell entzieht. Die Auswirkungen davon erleben wir täglich: Klimawandel, Artensterben, usw. usw.

Vielleicht fragen Sie sich, was das alles mit Marketing zu tun hat und ob Leitblick möglicherweise unter die Umweltmahner gehen möchte.

In der Tat ist es sinnvoll und hilfreich, die Dinge im Gesamtkontext zu betrachten, um daraus dann die richtigen Schlüsse für das eigene unternehmerische Handeln zu ziehen.

Wir sind alle ein Teil des Systems, wir sitzen alle im gleichen Boot und fahren alle in die gleiche Richtung. Produkte, die wir herstellen und verkaufen und Dienstleistungen, die wir anbieten, sind alle ein Teil der Wachstumsmaschine, die uns auf Dauer gefährlich wird. Es ist die Trägheit der Masse, die ein schnelles Umschwenken verhindert, und hier kommt eine nachhaltige Ausrichtung zunehmend ins Spiel: Der viel diskutierte Begriff der Nachhaltigkeit, geht im Kern davon aus, Entwicklungen zukunftsfähig zu machen, so dass gegenwärtige Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Vor diesem Hintergrund bekommt sowohl das wirtschaftliche Handeln selbst als auch die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen eine andere Dimension mit Auswirkungen in alle Bereiche des wirtschaftlichen Lebens. Jedes Unternehmen hat Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich der Formulierung seiner Nachhaltigkeitsziele und der Kommunikation dieser.

Zum einen bieten sich vielfältige Möglichkeiten nachhaltige Produkte und Dienstleistungen so auf den Markt auszurichten, das qualitatives und nicht quantitatives Wachstum entsteht.  Zum anderen ist es die strategische Positionierung von Werbebotschaften im Kontext der Nachhaltigkeit, die schon in der Gegenwart, und noch sehr viel stärker in der Zukunft über Erfolg und Misserfolg von Unternehmenskommunikation in den unterschiedlichsten Branchen entscheiden wird. Komparative Konkurrenzvorteile und somit Kaufentscheidungen lassen sich immer mehr aus gelebter Nachhaltigkeit und der Kommunikation darüber ableiten.

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