Aus dem Leitblick Blog:
Frank Mies 23. November 2012
Kategorien: Trends

Zeitungssterben – hat Print noch Zukunft?

Die Frankfurter Rundschau am Ende, die Financial Times Deutschland vor dem Aus. Hat das vielfach diskutierte Zeitungssterben in Deutschland begonnen? Bei beiden Titeln schlagen sicherlich Sonderfaktoren zu. Hausgemachte Probleme die den Niedergang forciert haben. Parallel wird aber eine Diskussion über das angeblich durchs Internet ausgelöste Zeitungssterben geführt.

Sind wir also am Anfang einer Welle? Ist die Zeit der Zeitungen vorbei? Betrachtet man die Frankfurter Rundschau, so ist sicherlich festzuhalten, dass der Markt der nationalen Tageszeitungen immer schwierigerer wird. Lokale Tageszeitung können mit regionalen Inhalten punkten. Nationale Titel stehen in Konkurrenz zu Fernsehen, Radio, Zeitschriften und Internet. Ähnliches gilt bei der Financial Times Deutschland. Börsenkurse und Unternehmensinformationen auf Papier, in einer sich immer schneller drehenden digitalen Welt. Das passt nicht ganz zusammen. Trotzdem stellt sich natürlich die Frage: Werden weitere Titel folgen?

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass das Internet alleine nicht für den Niedergang verantwortlich sein kann. War die Auflage der deutschen Tageszeitungen 1991 noch bei 27,3 Millionen Exemplaren lag sie 2001 nur noch bei 23,7 Millionen Exemplaren. Der Auflagenschwund begann also schon bevor das Internet für die meisten Menschen zum alltäglichen Massenmedium wurde. 2012 sind es noch 18,4 Millionen Exemplare. Man sieht, der Sinkflug wurde leicht beschleunigt, aber er ist nicht neu.

Verkaufte Auflage der Tageszeitungen in Deutschland von 1991 bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Wo liegt also das Problem der Zeitungen? Aus meiner Sicht in einer immer diversifizierteren Medienwelt. Radio und TV als Massenmedien mit immer mehr Spartenkanälen tragen sicher ebenso ihren Anteil dadran wie auch der riesige Zeitschriftenmarkt, der mit immer mehr und immer spezialisierteren Titeln Medienkonsumzeiten an sich zieht. Es bleibt natürlich trotzdem das Internet: Hier sind für uns alle Informationen aus aller Welt fast live zugänglich. Mal ehrlich: Wer hat von der Wiederwahl Obamas aus der Zeitung erfahren? Vermutlich fast niemand mehr. Internet, TV und Radio waren einfach schneller.

Mit anderen Worten: Die Stärke des Print-Journalismus liegt nicht darin uns über ein Ereignis an sich zu informieren. Die Stärke liegt darin aus den Massen Informationen zu Filtern, sie zu bewerten und Hintergründe zu liefern. Dies galt schon immer, verstärkt sich aber durch die digitale Welt in der aus vielen Quellen Informationen kommen und der Bürger verunsichert ist welchen Quellen er trauen kann.

Dies hat natürlich weniger etwas mit Print zu tun, sondern mehr mit dem Thema Journalismus. Die Verlage müssen Zeitungen der klassischen Form als einen von mehreren Informationsverteilern betrachten. Zukünftig wird Leser A sicher noch die gedruckte Zeitung am Frühstückstisch lesen, Leserin B aber vielleicht auf einem Tablet auf dem Weg zur Arbeit und Leser C vermutlich auf seinem Smartphone zwischen zwei Terminen.

Der klassische Zeitungskonsum wird sich durch die gesellschaftlichen Trends zu Offenheit, Transparenz und Mitgestaltung massiv verändern. Schon heute bestimmen Blogs, Twitter-Nachrichten und Web-Portale das Meinungsbild vieler Bürger. Diese wollen ihr eigenes Programm zusammenstellen und nicht mehr nur konsumieren. Dies gilt es in Zukunft zu steuern.

Wo liegen also Lösungsansätze? Ich denke zum einen in der journalistischen Qualität. Nicht weniger Redakteure die immer mehr Inhalte bearbeiten sollen sind die Lösung. Darunter leidet die Qualität. Redakteure müssen die Zeit haben sich mit einem Thema auseinander setzen zu können und so dem Leser echte Mehrwerte zu bieten.

Manche sehen in Gratis-Zeitungen die nur über Werbung finanziert werden eine Lösung für den Print-Zeitungsmarkt. Das mag teilweise durchaus eine Lösung sein – insgesamt zweifel ich daran aber. Angeblich ist es doch gerade diese Gratiskultur im Internet, die den Zeitungen zu schaffen macht. Und brechen nicht auch die Print-Werbeeinahmen weg? Parallel boomt die Online-Werbung. In den USA macht alleine Google mit seinen Adwords bereits jetzt mehr Werbeumsatz als alle gedruckten Zeitschriften und Zeitungen zusammen.

Fazit: Wem es nicht gelingt, in der Online-Welt Relevanz zu entwickeln und erfolgreich Geschäftsmodelle zu positionieren, dessen gedruckte Zeitung wird es schwer haben und vermutlich bald verschwinden.

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