Aus dem Leitblick Blog:
Erek Gaudian 20. November 2012

Kurorte und Heilbäder als die „Leitwölfe“ im Gesundheitstourismus?

In den letzten Jahren hat sich der Gesundheitstourismus in der deutschen Tourismuswirtschaft zunehmend etabliert. Nicht nur einzelne Städte oder Kliniken, sondern ganze touristische Destinationen setzen vermehrt auf die Karte „Gesundheitstourismus“ und knüpfen daran für die Zukunft hohe wirtschaftliche Erwartungen. Wer anders als die deutschen Kurorte und Heilbäder mit rund 400.000 direkt und indirekt Beschäftigten und einem jährlichen Umsatz von über 30 Mrd. Euro sind prädestiniert, die Rolle des „Leitwolfes“ im deutschen Gesundheitstourismus zu übernehmen?

Aber sind all‘ diese Orte mit ihren Angeboten der Prävention und Gesundheitsförderung tatsächlich so gut aufgestellt, dass sie zum Beispiel die Bedürfnisse der Generation Gold, Generation 50plus, Silver Ager, Golden Ager, Master Consumer, Senior Citizens oder wie immer man diese beliebte Zielgruppe nennen mag, befriedigen kann. Die Best ager gelten nämlich nicht nur als kaufkräftig und konsumfreudig, sondern auch als qualitätsbewusst und preissensibel.

Gut aufgestellt im Gesundheitstourismus

Auf der Suche nach wertigen gesundheitstouristischen Angeboten trifft der Konsument natürlich auch auf Kurorte und Heilbäder, die im Gesundheitstourismus bemerkenswert gut aufgestellt sind. Die kurmedizinische Grundlagen und Kompetenzen sind gut bis teilweise exzellent vorhanden. Diese Orte sind marktaktiv und arbeiten konsequent an ihrer Profilbildung in Richtung innovativer Produkte und Angebote. Die ökonomische Tragfähigkeit dieser gesundheitstouristischen Ausrichtung ist grundsätzlich gegeben. Man kann davon ausgehen, dass die kurmedizinischen Grundlagen und Kompetenzen auch künftig die alleinstellungsrelevante Schwerpunktsetzung bestimmen werden. Nach dieser optimistischen Beschreibung könnte man meinen, der Himmel in der „Bäderwelt“ ist blau und die Sonne scheint …

Weniger gut aufgestellte Kurorte und Heilbäder

In der deutschen Bäderfamilie gibt es allerdings auch Orte, die u.a. als Folge der verschiedenen Gesundheitsreformen ihre kurmedizinischen Grundlagen und Kompetenzen weitgehend verloren haben. Sie machen aus der Not aber eine Tugend und nutzen in bemerkenswerter Weise ihre natürlichen Potentiale (z.B. als therapeutische Landschaften) und arbeiten an eine Weiterentwicklung ihres gesundheitstouristischen Profils außerhalb der kurmedizinischen Kompetenz. Die ökonomische Tragfähigkeit im touristischen Bereich ist grundsätzlich gegeben und wird durch pfiffige Gesundheitsangebote ergänzt. Insbesondere in dieser Gruppe liegen erste Erfahrungen mit der Bildung regionaler „Bäder“-Netzwerke vor. Diese Kooperationen sollen helfen, das eigenständige Profil nicht gänzlich zu verlieren, sondern wieder mit neuem mit Leben zu erfüllen. Um im Bild zu bleiben: Auch wenn die Sonne in diesen Kurorten nicht jeden Tag scheint, so ist die Wetterprognose doch mittel- bis langfristig als stabil zu bezeichnen …

Ökonomisch Tragfähig?

Was passiert aber in den Kurorten, in denen der Himmel ständig wolkenverhangen ist und keine Aussicht auf Besserung prognostiziert werden kann? Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass es in Deutschland natürlich auch Kurorte und Heilbäder mit erheblichen Defiziten in der Produkt- und Angebotsentwicklung gibt. Eine für das aktuelle Gästeaufkommen überdimensionierte Infrastruktur mit einem stetig anwachsenden Unterhaltungs- und Sanierungsstau ist nicht mehr in der Lage, auch nur annähernd eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. Diese Orte befinden sich von den natürlichen Potentialen her oftmals in weniger begünstigten Lagen. Hier stellt sich bei nicht gegebener ökonomischer Tragfähigkeit die grundsätzliche Frage, ob die künftige Ausrichtung und Schwerpunktsetzung als „Bad“ noch sinnvoll erscheint. Wenn schon aus eigener Kraft keine Alleinstellungsmerkmale und Profilbildungen mehr entwickelt werden können, so sollte aber nichts unversucht gelassen werden, sich mit der Region zu „verbünden“, Netzwerke zu knüpfen und Kooperationen zu verschiedenen gesundheitsrelevanten Themen zu bilden.

Leitblick Projekt Kurorte und Heilbäder in Rheinland-Pfalz und Saarland

Die Leitblick GmbH begleitet derzeit die Heilbäder und Kurorte in Rheinland-Pfalz und im Saarland auf ihrem Weg der Entwicklung neuer, innovativer Gesundheitsangebote und deren zielgruppengerechter Kommunikation. Damit sich der Gesundheitstourismus auch als Hoffnungsträger weiter entwickeln kann, sind aktuell noch eine Reihe gesundheitstouristisch relevanter Fragen zu beantworten. Wir bleiben dran!

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