Aus dem Leitblick Blog:
Erek Gaudian 24. September 2012
Kategorien: GesundheitstourismusTourismusTrends

Phänomen Gesundheitstourismus

Reisen ist für viele Menschen – egal welchen Alters – oftmals die einzig reizvolle Perspektive, dem beruflichen und privaten Alltag zu entfliehen und in einer möglichst selbstbestimmten Auszeit wieder zu sich selbst zu finden. Die Globalisierung der Wirtschaft prägt immer mehr die Geschwindigkeit des Berufslebens und hat somit natürlich auch Einfluss auf die Komplexität unserer persönlichen Lebenswelten. Und das geht gesundheitlich immer mehr an die Substanz! Es vergeht doch kaum mehr eine Woche, in der Tages- oder Wochenzeitungen nicht über Stress- und Burn-Out-Symptome berichten, insbesondere dann in epischer Breite, wenn Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens davon betroffen sind und unfreiwillig aus dem Hamsterrad aussteigen müssen. Ist der Gesundheitstourismus dazu geeignet, um Menschen neue Wege aufzuzeigen, abschalten zu können und wieder dauerhaft zu sich selbst zu finden? Die Frage, ob es überhaupt einen Bedarf an qualifizierten gesundheitstouristischen Angeboten gibt, kann jeder für sich selbst auf einfache Weise beantworten, indem er aufzählt, wie viele Menschen er in seinem persönlichen Umfeld kennt, die „in sich selbst ruhen“! Man kann lange darüber nachdenken, aber es werden leider nicht mehr …

Unbestritten ist, dass die vom Wellness-Trend ausgehenden Impulse den Megatrend Gesundheit weiter verstärken werden. Die Zukunft des Gesundheitstourismus wird geprägt sein von der Suche nach dem individuellen Lebensstil und der Lebensbalance. Der Urlaub soll nicht mehr einfach so „verpuffen“ und spätestens am dritten Arbeitstag vergessen sein, sondern eine nachhaltige Form der Selbsterfahrung mit sich bringen, die es dem Gesundheitstouristen ermöglicht, mit jedem Urlaub ein Stück „besseres und bewussteres Leben“ zu erlernen. Und zwar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger unter Androhung von Verzicht, sondern gepaart mit „gesunden“ Genuss-Erlebnissen.

Ein weiterer den Gesundheitstourismus beeinflussenden Trend ist – trotz der fortwährenden Kirchenaustritte – zu beobachten: Die Menschen wollen auf Reisen ganz offensichtlich ihre spirituellen Bedürfnisse befriedigen. Die Suche nach neuen spirituellen oder religiösen Anreizen gepaart mit fernöstlichen Heilvorstellungen erzeugt „Ayurveda Trips“, „Reisen ins Innere der Seele“ oder „Pfade der Hingabe“. Egal welchen Namen man dem Kind gibt, die Menschen haben das Bedürfnis, dass sich jemand im Urlaub um ihre Seele sorgt. Gibt man bei Google die Suchbegriffe Ayurveda in Kombination mit Reise ein, dann erhält man 4,46 Mio. Treffer. Für die Seele ist also rein quantitativ gesehen gesorgt oder etwa doch nicht?

Experten gehen davon aus, dass sich in den nächsten Jahren weitere touristische Segmente an den Schnittstellen zwischen Gesundheit, Selbstfindung und neuer Spiritualität auch unter ökonomischen Gesichtspunkten entwickeln lassen. Die dynamischen Veränderungen in unserer Gesellschaft werden immer neue Reisetypen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen hervorbringen. Die Gesundheit als wertvollstes Gut des Menschen wird immer mehr zum bestimmenden Lebensinhalt (insbesondere bei der angedachten Verlängerung der Lebensarbeitszeit) und wird somit auch auf das Reiseverhalten Einfluss nehmen. In diesem Kontext ist es eine der spannenden Fragen, ob die gesundheitstouristische Angebotsseite in Deutschland die stetig steigende Nachfrage und die Erwartungshaltung der Konsumenten befriedigen kann.

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